Vorsorgeuntersuchungen beim Hund

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Um so beschwerdefrei wie möglich so alt wie möglich zu werden, sind Vorsorgeuntersuchungen auch beim Hund extrem wichtig.

Welche Untersuchungen sind wann und für welchen Hund sinnvoll?

Für alle Hunde in jedem Alter  ist eine etwa jährliche Routineuntersuchung sinnvoll.

Dabei wird zunächst genau die sogenannte Anamnese erfragt, d.h. der Tierarzt will von Ihnen wissen, wie es mit dem Fress- und Trinkverhalten Ihres Hundes aussieht, wie Urin- und Kotabsatz funktionieren, wie fit der Hund ist, ob Juckreiz besteht, wie er sich bewegt, ob es Veränderungen oder Auffälligkeiten im Verhalten gibt etc. Dieses Gespräch ist ein ganz wichtiger Bestandteil einer Vorsorgeuntersuchung - auch wenn es Ihnen vielleicht wie ein bisschen Geplauder nebenher erscheint.

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Dr. Ruf überprüft Schleimhäute und Zähne

Bei der sogenannten klinischen Untersuchung Ihres Hundes wird dann „Hand“ angelegt: Mit gezielten Griffen werden die Schleimhäute kontrolliert, die Zähne, Ohren und Augen begutachtet, die Lymphknoten abgetastet, der Puls kontrolliert, der Bauch durchgetastet, Hoden bzw. Gesäuge und Haut auf Tumore untersucht. Außerdem werden Herz und Lunge abgehört.

Zusammen mit der ausführlichen Anamnese ergibt sich so schon ein guter Eindruck vom Gesundheitszustand Ihres Hundes.

Ergeben sich aus Anamnese oder klinischer Untersuchung Verdachtsmomente, sind weitergehende gezielte Untersuchungen sinnvoll.

So ist z.B. bei einem Hund, von dem der Besitzer berichtet, er trinke mehr, eine Blutkontrolle, bei einer Zubildung in der Haut eine Zytologie oder bei auffälligen Herzgeräuschen eine Herzultraschalluntersuchung sinnvoll.

 

Je älter Hunde werden, umso wahrscheinlicher werden bestimmte Erkrankungen.

Im höheren Lebensalter „wartet“ man daher nicht mehr, bis bei der Routineuntersuchung Symptome auffallen, sondern man untersucht gezielt zusätzlich zur Routineuntersuchung bestimmte Organe, die besonders häufig Probleme machen. Von „höherem Lebensalter“ sprechen wir ab etwa 7 Jahren, je größer der Hund umso früher.

Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse, Nebenniere, Schilddrüse…

Ab einem Alter von ca. 7 Jahren ist eine jährliche Blutuntersuchung sinnvoll. Dabei werden neben einem Blutbild die Organwerte überprüft und geschaut, ob Leber, Niere etc. noch ausreichend gut arbeiten, ob Hormonstörungen bestehen oder ob es Anhaltspunkte für Entzündungen, Infektionen o.ä. gibt.

Für eine Blutuntersuchung muss Ihr Hund kurz stillhalten, es gibt einen kleinen Pieks (den die meisten Hunde gar nicht bemerken) und viele Leckerli. Nach wenigen Minuten haben wir im hauseigenen Labor die wichtigsten Untersuchungen durchgeführt und können mit Ihnen alle Befunde besprechen.

Herz

Ein weiteres „Verschleißteil“ ist das Herz. Leider kann man bei weitem nicht jede Herzerkrankung durch Abhören feststellen. Außerdem ist das Herz ist ein Muskel, und kann daher lange durch Muskelwachstum Herzerkrankungen kompensieren. Symptome treten erst auf, wenn der Herzmuskel schon irreversibel geschädigt ist.

Ca. 25% aller 9-12 jährigen Hunde leiden an einer Herzklappenerkrankung (Mitralklappenendokardiose). Von den kleinen Hunderassen wie z.B. Dackel, Pudel, Yorkshireterrier u.ä. sind sogar noch mehr betroffen. Die rechtzeitige medikamentöse Behandlung dieser Herzklappenerkrankung verlängert die Zeit, die ein Hund trotz Herzerkrankung symptomfrei leben kann, einer aktuellen Studie zufolge um durchschnittlich 15 Monate – eine frühzeitige Diagnose ist daher ganz wichtig.

Die großen Hunderassen haben oft eine andere Herzerkrankung, die sogenannte DCM (dilatative Cardiomyopathie), die unerkannt zum plötzlichen Herztod führen kann. Eine DCM kann nicht per Abhören diagnostitziert werden.

Herzerkrankungen lassen sich nur  durch eine Herzultraschalluntersuchung sicher feststellen.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Herzdiagnostik lieber ein Jahr zu früh beginnen, als ein Jahr zu spät!

Für einen Herzultraschall, der völlig schmerzfrei ist, muss Ihr Hund lediglich eine Weile auf der Seite liegen, das tolerieren die meisten Hunde völlig problemlos.

Tumore

Leider sind  Hunde recht krebsanfällig, Krebs ist die Haupttodesursache bei Hunden.

Bei jeder Routineuntersuchung wird Ihr Hund äußerlich auf tumorverdächtige Zubildungen abgetastet. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Lymphknoten, das Gesäuge, die Hoden und die Haut gelegt.

Aber auch innerlich steigt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit eines Tumorwachstums.

Daher raten wir zur Bauchultraschalluntersuchung um möglichst frühzeitig Veränderungen erkennen zu können.

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Dr. Schiller bei einer Bauchultraschalluntersuchung

Erkannt werden können dabei tumoröse und andere Veränderungen der inneren Organe wie von Leber, Galle, Nieren, Darm, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren, Blase, Bauchlymphknoten, Prostata, Gebärmutter, Eierstöcke, Milz.

40% der Bauchtumore betreffen die Milz. Gerade große Hunde sind für Milztumore anfällig. Solche Tumore machen oft lange keinerlei Probleme und werden erst dann festgestellt, wenn sie platzen und der Hund in den Bauch blutet - selbst wenn dann das Leben des Hundes durch eine Not-OP zunächst gerettet werden kann, haben sich durch die Blutung unzählige Tumorzellen im Körper verteilt, es kommt zur Metastasierung. Frühzeitig erkannt sind diese Tumore meist  gut operabel und mit etwas Glück hat dann auch noch nichts gestreut.

Für eine Bauchultraschalluntersuchung muss Ihr Hund eine Weile auf dem Rücken liegen, die Untersuchung selbst ist schmerzfrei und nach kurzer Zeit erledigt.

 

Zusammenfassung

Alle Hunde, jedes Alter, alle Rassen

  • gründliche klinische Untersuchung mit ausführlicher Anamnese etwa einmal im Jahr
  • weitere Untersuchungen bei Auffälligkeiten

Alle Hunde ab ca. 7 Jahren

  • Jährliche Blutuntersuchung
  • Jährliche Bauchultraschalluntersuchung
  • Einmalige Herzultraschalluntersuchung, bei der die Abstände für evtl. nötige weitere Untersuchungen festgelegt werden

Bestimmte Rassen

  • Dobermänner, Cavalier King Charles Spaniels sollten den ersten Herzultraschall (und EKG beim Dobermann) schon im Alter von ca. 2 Jahren erhalten.
  • Schäferhunde und Hunde sehr großer Rassen (>40kg) sollten den ersten Bauchultraschall im Alter von 5 Jahren bekommen.

 

Jede Untersuchung kann natürlich jederzeit bei jedem Hund auch zu einem früheren Zeitpunkt durchgeführt werden. Das angegebene Alter ist das Alter, bei dem die Häufigkeit bestimmter Krankheiten deutlich ansteigt und daher Untersuchungen zur Vorsorge für alle Hunde sinnvoll sind.

Gerne beraten wir Sie ganz individuell.

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